Initiative: Data Stewardship

Data Stewardship, bitte wie?

Erfahrungen in verschiedenen Forschungsgruppen können unter anderem auch Problemstellungen ans Licht bringen, überspitzt dargestellt in den folgenden Zitaten.

 „Wo waren bloß die Ergebnisse der Untersuchung des Masterstudenten?“

„Ich erkenne nur Hieroglyphen in dieser Datei, gibt es denn keine dazugehörige Dokumentation?“

Und wer im Forschungsalltag kennt vielleicht verwandte Situationen nicht? Gerade die Replizierbarkeit von Ergebnissen ist ausschlaggebend für die Vertrauenswürdigkeit und zugehörig der Qualität von Studien. Gute wissenschaftliche Praxis[i] muss darüber hinaus wissenschaftlich-systematische Unregelmäßigkeiten vorbeugen.

c Data Stewardship

Universitäten haben in vergangenen Jahren begonnen den nachhaltigen Nutzen von Daten, den langfristigen Wert digitaler Informationen, und damit verbunden die Bedeutung des Managements von Forschungsdaten sowie Aufzeichnungen als Notwendigkeit zu erkennen. Diese dienen der Qualitätssicherung von Forschung im Sinne einer wissenschaftlichen Integrität und guter wissenschaftlicher Praxis.

Anfang 2015, wurde die im Jahre 2003 verfasste Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen von der TU Graz unterzeichnet und eine Richtlinie zu Offenem Zugang geschaffen. Generell sollen offene Daten Doppelerhebungen vermeiden und eine Nachnutzung in anderem Kontext ermöglichen. Hierbei sollen wissenschaftliche Prozesse transparent und effektiv gestaltet werden. Durch die europäische Richtlinie über offene Daten und die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors sind vor allem öffentlich finanzierte Forschungsdaten frei zugänglich zu machen. Eine Implementierung sieht strategische Entwicklungen in Forschung, Technologie und Innovation vor, und richtet sich insbesondere an Forschungsstätten.

Aus Sicht der Grazer Universitäten verfasste die Universität Graz bereits Anfang 2019 eine Richtlinie zu Forschungsdatenmanagement, gefolgt von der Technischen Universität Graz (TU Graz) Ende 2019. Dieser Entwicklungen ging eine Studie der TU Graz zuvor, die auf einer institutionellen Umfrage zu aktuell üblichen Praktiken im Umgang mit Forschungsdaten basiert[ii]. Damals wurde Forschungsdatenmanagement vornehmlich als administrativer Aufwand betrachtet.

Bereits im Jahre 2017 wurden an der TU Graz eine Digitalisierungsstrategie beschlossen, welche unter anderen den Kernbereich Forschung beinhaltet. Diese soll den Herausforderungen des digitalen Wandels begegnen und als Chancen nutzen. Im Rahmen der „Digitalen TU Graz“ sollen digitale Technologien für Forschende neue Möglichkeiten schaffen worunter Entwicklungen für effizientes Forschungsdatenmanagement fallen.

Zitat Claudia von der Linden: „Bei der Digitalisierung geht es nicht um Mensch oder Computer, sondern um Mensch UND Computer.“

Seit 2020 dient FAIR Data Austria, Teil des Cluster Forschungsdaten, als Kernprojekt für das Handlungsfeld Forschung an der TU Graz, welches die Stärkung des Wissenstransfers zwischen Universitäten sowie Wirtschaft und Gesellschaft und die Implementierung von den FAIR Prinzipien bewirken soll. Im Zuge dieses Projektes wurden sogenannte Data Stewards and der TU Graz aufgebaut, um mit Expertise für ordnungsgemäßes Forschungsdatenmanagement alle Forschenden der Institution zu unterstützen. Das dahinterstehende Team beteiligt sich an unterschiedlichen Projekten rund um Dateninfrastrukturen, einschließlich der Initiativen rund um die Europäische Open Science Cloud (EOSC). Fortlaufend nationaler und regionaler Bestreben werden digitale Werkzeuge entwickelt bzw. etabliert. Zusätzlich werden Schulungen angeboten und Forschende in unterschiedlichen Belangen des Umgangs mit Forschungsdaten, auch in Anbetracht der Anforderungen von Förderern und Fachzeitschriften, unterstützt. Dies erfordert mitunter auch disziplinspezifisches Wissen. Nachdem sich die Anfragen nach Unterstützung mehrten und viele der Aufgaben der hiesigen Data Stewards den zeitlichen als auch finanziellen Rahmen der bestehenden Forschungsprojekte überstiegen, wurde nach einer Strategie gesucht, diese Rollen als fixes Personal an der Institution zu integrieren. Die Positionierung von Data Stewards erstellte sich als strategische Fragestellung heraus, da die unterschiedlichen Möglichkeiten auch entsprechende Auswirkungen auf das anzubietende Leistungsspektrum haben[iii]. An der TU Graz fassen verschiedene Disziplinen Fuß, und alle Bereiche in der Organisation und dem Umgang von Forschungsdaten sollten unterstützt werden. Daher war es erstrebenswert, Data Stewards auf der Ebene der Fakultäten, Institute bzw. in unmittelbarer Nähe der Forschungsgruppen einzusetzen. Eine dezentralisierte Ansiedlung war finanziell nicht möglich, aber ein vorweg zentralisierter Ansatz von mehreren Data Stewards jedoch mit unterschiedlicher Disziplinexpertise, der weitreichender als nur generisch wirken sollte, konnte als Kompromiss gefunden werden. Das Team wurde der Organisationseinheit von Bibliothek und Archiv als eigenständige Untereinheit zugeordnet. Heute ist daher Forschungsdatenmanagement an der TU Graz an der Bibliothek als eigene Koordinationsstelle angesiedelt, und agiert an den sieben Fakultäten.

An der Universität Wien wird aktuell ab dem Herbstsemester ein Zertifikatskurs[iv] für Data Stewardship angeboten.
Die Data Stewards an der TU Graz sind nun weiterhin mit diversen Fragen rund um den Forschungsdatenzyklus konfrontiert, versuchen den wie in oben gegebenen Zitaten beschriebene Problemstellungen vorzubeugen, Qualität entlang des Datenlebenszyklus zu sichern, und mit begleitenden Maßnahmen einen Mehrwert der Forschungsdaten zu generieren.

 


[i] Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität (2019, Wien), Richtlinien der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität zur Guten Wissenschaftlichen Praxis

[ii] Reichmann, S., Klebel, T., Hasani-Mavriqi, I., & Ross-Hellauer, T. (2020, September 1). Between administration and research - Understanding data management practices in a mid-sized technical university. doi.org/10.31235/osf.io/75ac6

[iii] Reichmann, S., Hasani-Mavriqi, I. (2021, März 8). Entwicklung eines Konzepts für Data Stewards an österreichsichen Universitäten. doi.org/10.25365/phaidra.243

[iv]www.postgraduatecenter.at/en/programs/communication-media/data-steward/