TU Graz: Mit Change Begleitung zur klimaneutralen Universität

Weichenstellung für Klimaschutz

Klimaschutz geht uns alle an – dieses Credo ist mittlerweile in aller Munde. Wenngleich die Erforschung des Klimawandels bereits an allen Universitäten und in den einzelnen Forschungsinstituten eine Selbstverständlichkeit darstellt, so fehlt es dennoch oft an begleitenden und nachhaltigen Maßnahmen sowie an der Entwicklung eines Bewusstseins für umweltgerechtes Handeln. Mit dem Projekt „Klimaneutrale TU Graz 2030“ hat sich die Technische Universität Graz zum Ziel gesetzt, entlang einer definierten Roadmap und mit gezielten Maßnahmen innerhalb von zehn Jahren klimaneutral zu sein. Die Maßnahmen zielen auf vier Säulen ab: Energie, Materialien/IT, Mensa und Mobilität, bei zuletzt genanntem sind auch die Dienstreisen ein Bestandteil, die zukünftig klimafreundlicher sein sollen.

Das Besondere daran? Die Maßnahmen gehen Hand in Hand mit Change Begleitung und Transformationsmanagement. Die Umsetzung des Maßnahmepakets zur neuen klimafreundlichen Dienstreise soll hier als gelungenes Best Practice Beispiel für Transformation vorgestellt werden. 

Abfahrt: klimafreundliche Dienstreise

Unter dem Motto Stay grounded, but keep connected sollen die Emissionen bei Flugreisen um 50 Prozent bis 2030 reduziert werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein entsprechendes Maßnahmenbündel entwickelt. Einer der ersten Schritte war die Einführung einer Dienstreise-Richtlinie mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Darauf folgte die Entwicklung und Einführung einer CO2e-Dienstreise-App auf Basis SAP Fiori. Mitarbeitende können seit 1.1.2022 die CO2e-relevanten-Daten ihrer Dienstreise für ihre persönliche CO2e-Bilanz darin erfassen.

c Lunghammer

Die Daten fließen in aggregierter Form in die Treibhausgas-Bilanz der TU Graz ein. So dient diese App als begleitendes Monitoring, ob das angestrebte Ziel auch erreicht wird. Damit waren diese beiden Maßnahmen der Startschuss zur Abfahrt: klimafreundliche Dienstreise.

Kräftigen Rückenwind bei der Abfahrt, trotz der auch vielen negativen Ereignisse haben die vergangenen Corona-Jahren mit sich gebracht. Man wurde darauf aufmerksam, dass dort, wo es sinnvoll ist, Videokonferenzen die physische Dienstreise sehr gut ersetzen können. Vorteile sind die Ortsunabhängigkeit, der Zeitgewinn sowie die Kostenersparnis. Nichtsdestotrotz wurde mitgedacht, dass Videokonferenzen den persönlichen Kontakt nicht immer ersetzen können. Dienstreisen sollen entsprechend des Anfangs erwähnten Mottos, nicht per se vermieden werden, sondern die Art und Weise, wie zukünftig gereist wird, klimafreundlicher gestaltet werden. Aus diesem Grund unterstützt die TU Graz das klimafreundliche Dienstreisen mit Zuschüssen für das Klimaticket Steiermark und Österreich, der Kostenübernahmen der ÖBB- Vorteilskarte (bei z. B. mind. 3 Dienstreisen nach Wien) sowie weiteren Aktivitäten wie der Aktualisierung der Dienstreise- Richtlinie.

Mit im Gepäck: Transformationsbegleitung

Wir befinden uns auf einer langatmigen Reise und hier dürfen essentielle Gepäcksstücke nicht fehlen. So ein Transformationsprozess soll langfristig darauf abzielen, einen nachhaltigen, aber vor allem auch respektvollen Umgang mit unseren sozialen, ökonomischen und ökologischen Ressourcen zu etablieren und zu stärken.

So sollen die Maßnahmen in Punkto klimafreundlich Dienstreisen einen Umdenkprozess mit in Gang setzen, mit dem Ziel allmählich ein neues Bewusstsein für ein klimaschonendes Mobilitätsverhalten zu entwickeln und so zu einem Bestandteil der Kultur an der TU Graz werden. Um diesen Kulturwandel zu vollziehen ist eine ganzheitliche Herangehensweise erforderlich, wo an mehreren Stellen angedockt wird: so ist die Einführung der CO2e-App eine Maßnahme auf der Prozessebene und die neue Dienstreise-Richtlinie ein Rahmengerüst, wie Dienstreisen stattzufinden haben. Gleichzeitig haben beide Maßnahmen auch eine Auswirkung auf das Bewusstsein und letztendlich auch auf das Verhalten der Mitarbeitenden. Die Entwicklung für ein neues Bewusstsein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit wurde während des gesamten Projektes mitgedacht.

Um es zu schärfen und zu verankern, wurden vorab Interviews mit Dienstreisenden und Reiseassistenzen durchgeführt, mit dem Ziel herauszufinden, was konkret die Mitarbeitenden benötigen, damit das „Umsteigen“ (vom Flug- auf Bahnverkehr) für sie leichter wird. Aber auch Motivation und Anreize spielten eine entscheidende Rolle für den Umstieg. Essenzielle Ergebnisse der Interviews: die kommenden Generationen sollen auch in einer lebenswerten (Um)Welt aufwachsen können, ebenso dass es nicht DIE Einzelmaßnahmen gibt, sondern es ein Bündel aus vielen ist – im Sinne von, jeder Beitrag zählt - sei er noch zu klein. Zudem sei es wichtig, Vorbilder sichtbar zu machen, die den Weg bereits gehen.

c Lunghammer

Aus diesem Gedanken entstand das Promotionsvideo „Klimafreundlich Dienstreisen“. Das Video dient als Kommunikationsmaßnahme, um die Attraktivität und Vorteile, die Bahnfahren mit sich bringen, hervorzuheben und erfüllt durch die darin platzierten Statements des TU Graz Rektors Harald Kainz zusätzlich eine Vorbildfunktion. Das Video wurde unter anderem schon bei internen Veranstaltungen sowie auch schon extern an einer Schule vorgestellt.

Mit an Bord: Alle relevanten Stakeholder*innen

„Wenn du schnell gehen willst, dann geh alleine. Wenn du weit gehen willst, dann musst du mit anderen zusammen gehen“ (Afrikanisches Sprichwort). Die Essenz dieses Sprichwortes ist ein Weckruf für das Netzwerken und die Zusammenarbeit. So sind auch das Vernetzen und die Partizipationsmöglichkeit relevanter Stakeholder*innen wichtige Begleitmethoden im Transformationsmanagement.

Hierzu zählte unter anderem die Einbeziehung der Kolleg*innen vom Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen an der TU Graz. Die Mitarbeitenden des Instituts werden immer wieder eingebunden, um ihre Expertise zum Bereich Eisenbahnwesen abzufragen, ihre Sichtweise als Dienstreisende zu erfahren und sie in den Gestaltungsprozess der klimafreundlichen Dienstreise einzubinden. Durch diese Vernetzung wurden unter anderem die Weichen zu einem Kontakt bei der ÖBB hergestellt, was letztendlich in einer Kooperation gemündet hat. Die Aktivitäten der ÖBB zielen darauf ab. Die Aktivitäten der ÖBB verfolgen hierbei das Ziel, ein Bewusstsein für neues Mobilitätsverhalten zu schaffen und damit den gewünschten Kulturwandel weiter voranzutreiben.

Die Rolle der Reiseassistenzen ist sehr maßgeblich in diesem Transformationsprozess. Sie unterstützen Dienstreisende in allen Belangen bei der Abwicklung ihrer Dienstreisen. So gab es im Vorfeld bevor die neue CO2e-Dienstreise-App eingeführt wurde, sowohl für Dienstreisende als auch Reiseassistenzen die Möglichkeit diese vorab zu testen und noch Verbesserungsmöglichkeiten rück zu melden. Als verlängerter Arm der Dienstreisenden sind sie es, an die sich potenzielle Nutzer*innen wenden werden und die mit ihrer Expertise bei Problemen der Durchführung der Dienstreise helfen können. Damit können sie wesentlich zu der Entwicklung eines nachhaltigen Bewusstseins beitragen. Der laufende interne Austausch mit der TU Graz Community trug zusätzlich sein Übriges bei: Bedenken wurden geäußert und gelöst, weitere für den Prozess wichtige Stakeholder:innen konnten informiert und abgeholt werden.

Was Transformation im Innersten zusammenhält

Auch andere Universitäten sind bereits auf den Zug Richtung Klimaneutralität aufgesprungen und haben entsprechende Maßnahmenpakete verabschiedet. Am Beispiel der Umsetzung der klimafreundlichen Dienstreise kann man sehen, wie die Begleitung eines solchen Transformationsprozesses aussehen kann und was es zu beachten gilt.

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So lässt sich zusammenfassen: Begleitende Maßnahmen zur Entwicklung eines Nachhaltigkeitsverständnisses und zur Verankerung eines Kulturwandels sowie das Einbinden der relevanten Stakeholder:innen sind der Klebstoff, der Projekte wie jenes der klimafreundlichen Dienstreise zusammenhalten und Transformationsprozesse erst möglich machen. 

Schenkt man diesen Punkten im Kontext von Projekten für den Klimaschutz Beachtung, kann dies einen wichtigen Beitrag dazu leistet, nächsten Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.